Joint Task Force
Die Zukunft sieht nicht rosig aus, wenn man den Entwicklern des Echtzeitstrategiespiels Joint Task Force glauben will, denn schon im Jahr 2008 ist die internationale Gemeinschaft gezwungen eine schnelle Eingreiftruppe auf die Beine zu stellen, die Sie befehligen.
Sie schlüpfen dabei in die Haut von Major O’Connell und bereisen verschiedene Krisenschauplätze wie Somalia, Bosnien oder Kolumbien und müssen in jeder Mission verschiedene Ziele erreichen. Mal beschützen sie einen UN-Konvoi, dann retten sie Mal eine Journalistin oder jagen einen Kriegsverbrecher.
Einen Basisbau gibt es nicht und sie sind auf Gelder angewiesen die sie beim Start haben oder für die Absolvierung verschiedener Sekundärziele bekommen um ihre kleine aber schlagkräftige Truppe auszurüsten. Dabei gehen die Entwickler verschiedene innovative Wege, nur um dann an der Wegfindungs-KI und Gegner-KI zu scheitern.
So können sie Soldaten teilweise einzeln ausrüsten (bei einem Scharfschützen oder Sanitäter nicht möglich) und ihnen neben der Standardwaffe auch eine Panzerfaust oder Granaten spendieren. Des weiteren stehen ihnen verschiedene Fahr- und Flugvehikel zur Verfügung, wovon aber Harrier Senkrechtstarter das einzige Vehikel ist, das nicht US-amerikanischen Ursprungs ist (soviel also zum Thema Internationale Eingreiftruppe;-))
In der ersten Mission haben sie gerade einmal eine Handvoll Soldaten und müssen einen verdächtigen Frachter im Hafen von Mogadischu untersuchen. Zuvor allerdings können sie noch ein Tutorial spielen, das sie mit der Steuerung vertraut macht und ihnen zeigt, wie sie über einen Flughafen schweres Gerät bekommen, während mit dem Hubschrauber zu transportierende Einheiten in der Umgebung ihres Helden abgesetzt werden können, natürlich nur, wenn sie diese auch bezahlen können.
Leider müssen sie auch die Sonderfähigkeiten z.B. einen Luftangriff mit einer AC-10 Thunderbolt oder einer F-117A bezahlen und können obendrein diese nur in einem sehr begrenzten Gebiet um ihren Helden durchführen lassen, weshalb recht groteske Situationen entstehen können. So z.B., wenn mehrere Panzer und Schützenpanzer vorstürmen und in einen gegnerischen Artilleriehagel geraten und sie mit ihren ungepanzerten Helden (bei dessen Tod die Mission als verloren gilt) durch den Kanonenhagel rennen müssen um nah genug für einen (recht wirkungslosen) Luftschlag zu seien.
Auch das Balancing ist nicht wirklich gelungen, denn Humvees können gar nicht schnell genug (einzeln) eingeflogen werden, wie diese schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad wieder in die Luft fliegen, da überall Hinterhalte von Infanteristen mit Raketen und Granaten lauern. So ist eine der wirkungsvollsten Taktiken, solange kein Flugplatz eingenommen ist und kein Reparaturfahrzeug mit Ingenieuren vorhanden ist, die Fahrzeuge stehen zu lassen und mit der Infanterie loszuziehen.
Dabei ist die Idee hinter Joint Task Force durchaus gelungen und gerade die zahlreichen Missionen, in denen Reporter in ihrer Nähe sind und über ihr Verhalten berichten bringt einen Hauch Realismus, zumal die Weltöffentlichkeit es gar nicht gerne zieht wenn Zivilisten von ihnen massakriert werden. Auch die unterschiedliche Waffenreichweite, ein MG eines Panzers hat natürlich eine geringere Reichweite als das Geschütz, ist realistisch, ebenso wie die Bewegungen der Einheiten, insbesondere der Infanterie. Doch leider hakt es an der Künstlichen Intelligenz, denn ihre Panzer machen ganze Dörfer platt, auch wenn auf der Hauptstraße noch genügend Platz wäre, ganz zu schweigen von dem künstlichen elend vor Engstellen, auch die Gegner-KI und die KI der eigenen Einheiten glänzen durch Aussetzer.
Die Grafik der Einheiten ist dabei sehr gelungen, denn alle Einheiten sind detailliert gestaltet, die Umgebungsgrafik hingegen ist recht grobpixelig und überzeugt nur auf der geringsten Zoomstufe, dafür entschädigen aber zahlreiche Explosionen und Krater.
Neben der Kampagne, die durch zahlreiche Zwischensequenzen und Videoeinblendungen der Reporter erzählt wird, gibt es auch einen „Gefecht“- und „Multiplayer“-Modus die beide sehr enttäuschend sind, da die meisten Kämpfe dort keine 5 Minuten dauern. Man nimmt zu Beginn sofort so viele Fahnen- und Flugplätze ein wie möglich, lässt sofort Panzer einfliegen und rusht los, während der Gegner noch nicht einmal richtig angefangen hat, da dieser sich zunächst mal einen Überblick verschaffen wollte. Taktische oder strategische Kämpfe sind die absoluten Ausnahme, weshalb sowohl die Gefechten gegen den Computer als auch gegen menschliche Kontrahenten recht anspruchslos sind und dann gibt es sogar noch einen Mehrspielermodus, wo die Karte ständig kleiner wird, so das hier wirklich nur Kolleriker oder andere Leute, denen es nicht schnell genug gehen kann, Spaß haben.
Fazit:
Seitdem ich das erste Mal von Joint Task Force hörte, wollte ich diesen Titel haben, denn Reporter die über einen berichten, zahlreiche Zivilisten die nicht zu Schaden kommen dürfen, aktuelle Schauplätze und moderne Waffensysteme reizen mich momentan mehr als der x-te Weltkriegsaufguss.
Dazu kommen die vielen gute Ideen der Entwickler und Joint Task Force hat wirklich das Potenzial zu einem Hit - gehabt, aber wenn ich gleich zu Beginn einen 200 MB großen Patch installieren muss, um das Spiel überhaupt spielen zu können und auch nach der Installation noch zahlreiche Bugs und Ungereimtheiten (Balancing) vorhanden sind, die mit einigen Monaten Entwicklungszeit mehr sicher ausgemerzt worden wären, drückt sich mir der Eindruck auf, dass ich hier wieder mal als Betatester missbraucht werden soll.
- Publisher: Sierra Entertainment,
- Developer: Most Wanted Entertainment
- Platform: PC
- Genre: Strategy
- Editor rating:

- Release date: 2006-09-19



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