Mass Effect
Die kanadischen Entwickler von Bioware, welche vor kurzem erst von EA geschluckt wurden, sind absolute Profis bei der Entwicklung von Rollenspielen und haben schon den ein oder anderen Meilenstein veröffentlicht. Ob der Xbox 360 Exklusivtitel Mass Effect daran anknüpfen kann?
Bioware wurde schon mehrfach in die Liste der beliebtesten Arbeitgeber Kanadas gewählt und hat viele treue Fans in der ganzen Welt, auch wenn ihre Spiele selten bei Verkaufsstart Bugfrei sind. Dennoch kamen die besten Rollenspiele der letzten Jahre fast ausnahmslos von diesem Entwickler. Ob Star Wars: Knight of the Old Republic, Jade Empire, Neverwinter Nights oder Baldurs Gate, alle diese Spiele zeichnen sich durch eine interessante Story, einem nicht linearen Verlauf und einem liebevollen Design aus.
Mass Effect ist, wie KOTOR, in einem Scifi Szenario angesiedelt und dies ist nicht die einzige Parallele zwischen beiden Titeln und eines sei gleich gesagt, wenn sie KOTOR mochten, werden sie Mass Effect erst nach einer kurzen Umstellungsphase lieben, denn das Kampfsystem hat seine Tücken und ständiges abspeichern ist oberste Pflicht und wenn man nicht gerade auf „leicht“ spielt, sollte man bei einigen Spielabschnitten zu Beginn des Spiels darauf verzichten den Controller wegzuschmeißen, auch wenn es schwer fällt, denn bei einem schlechten Start ist ein Kampf schneller verloren als einem Lieb ist.
Die Menschen sind dabei nicht allein im Universum und die einflussreichsten außerirdischen Zivilisationen sind dabei in einem galaktischen Rat organisiert. Dabei ist die ganze Galaxis auch von den Überresten einer uralten außerirdischen Zivilisation überzogen die auf geheimnisvolle Weise verschwunden ist und einer ihrer Stützpunkte war auf dem Mars, weshalb die Menschen so an neuartige und fremdartige Technologien kamen, die den technologischen Fortschritt quasi über Nacht mehrere Jahrhunderte beschleunigten.
Die Story von Mass Effect beginnt an Bord des Raumschiffs Normady und schon bald erhalten sie einen Notruf einer menschlichen Kolonie, die angegriffen wird. Diese erste Mission dient dabei als Tutorial und gibt uns einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet.
Wir schlüpfen dabei entweder in den vorgefertigten Charakter oder basteln uns selbst einen Helden, wobei wir aber nicht nur sein Äußeres sondern auch seinen Beruf bestimmen können, der großen Einfluss auf das Spielgeschehen hat. Soldaten sind dabei kampferprobt und können schwere Rüstungen benutzen, während z.B. ein Techniker weniger Probleme beim hacken von Computern oder elektronischen Schlössern hat, welche übrigens in einem Minispiel ablaufen, wenn man keine Tools dafür hat.
Schon kurz nachdem Angriff auf die menschliche Kolonie befinden wir uns auf einer riesigen Raumstation (Citadelle), auf der auch der galaktische Rat beheimatet ist und allein dieser Anblick ist einfach umwerfend und ein paar Locations laden uns ein erforscht zu werden und durch die ersten Nebenquests sammeln wir so wichtige Erfahrungspunkte für Levelaufstiege. Leider ist die Optik aber nicht auf allen Planetenoberflächen ähnlich spektakulär und nicht selten wirken diese einfach nur trist und lieblos ins Spiel implementiert.
Auch bei den Gesichtern der Charaktere und insbesondere bei ihren Haaren wäre mehr drin gewesen. Auf der anderen Seite sehen die Aliens aber unglaublich gut aus.
Die Normady, die schon bald uns gehört, ist hingen unglaublich detailliert und wir können alle Bereiche besuchen und uns mit vielen Crewmembern unterhalten und die Ausrüstung checken, sowie mehr über unsere Begleiter erfahren, denn im weiteren Spielverlauf gewinnen wir immer mehr nichtmenschliche Charaktere hinzu, die eine unterschiedliche Geschichte und Motivation besitzen, von denen aber nicht gerade wenige im Verlauf der Handlung das Zeitliche segnen.
Bei der Handlung haben wir dabei immer die Wahl ob wir uns vorbildlich oder weniger vorbildlich verhalten wollen und bekommen dementsprechend unterschiedliche Charakterpunkte und beeinflussen so das Spielgeschehen.
Auf der Station gibt es auch ein Schnellreisesystem, das uns lange Laufwege erspart. Alle anderen Levels sind recht linear aufgebaut und nicht selten legen wir dabei lange Strecken mit dem Mako, einer Art Panzer zurück, dessen Steuerung aber gewöhnungsbedürftig ist, von der Fahrphysik ganz zu schweigen.
Das Kampfsystem ist dieses Mal nicht Rundenbasiert sondern findet in Echtzeit statt. Doch glücklicherweise wurde eine Pausenfunktion eingebaut und so können wir ohne Hektik die Waffe wechseln oder bei uns oder unseren Begleitern spezielle Fähigkeiten auslösen.
Im Verlauf der Handlung werden wir zum Spectre ernannt, einer Art Marshall des Rates und haben so Zugang zu spezieller Ausrüstung und Sondervollmachten.
Es gibt zahlreiche verschiedene Waffen in unterschiedlichen Kategorien zur Auswahl. So gibt es Präzisionsgewehre, Sturmgewehre, Schrottflinten und Pistolen mit unterschiedlichen Eigenschaften und alle Waffen lassen sich upgraden. So können wir zum Beispiel die Durchschlagskraft erhöhen oder eine bessere Kühlung einbauen und nicht nur das, selbst bei der Munition gibt es eine große Auswahl und für jeden Gegnertyp das richtige.
Ein Sidekick dabei ist ein Crewmitglied, das im Schwarzmarktgeschäft von Waffen und Ausrüstungsgegenständen aktiv ist, diese aber nur an uns verkaufen kann, wenn wir vorher von bestimmten Herstellern eine Lizenz gekauft haben.
Auf der Galaxiekarte können wir zahlreiche Systeme der Milchstraße besuchen, auch wenn nur eine Handvoll davon (Spiel)relevant sind, lohnt es sich doch auch das ein oder andere System zu erkunden und so dem ein oder anderen Geheimnis auf die Spur zu kommen oder zum Beispiel einen abgestürzten Satelliten mit Atombomben zu entschärfen. Auch unser eigenes Sonnensystem, das Sol-System, kann besucht werden, doch leider kann man auf keinen Planeten unseres Systems landen.
Fazit:
Ich habe noch nie auf einer Konsole ein dermaßen verbugtes Spiel wie Mass Effect gespielt und mehr als einmal musste ich ein Savegame laden, da sich die Spielfigur nicht mehr steuern ließ.
Dennoch ist Mass Effect trotz seiner vorhanden Schwächen und seiner viel zu frühen Veröffentlichung ein ganz großer Hit. Zumal das, was Bioware hier auf die Beine gestellt hat, etwas ganz Besonderes ist, denn quasi aus dem Nichts haben die Entwickler ein eigenständiges und lebendiges Universum vergleichbar mit Star Wars oder Star Trek geschaffen und dies mit einer interessanten Story, einer großen Handlungsfreiheit, einem gelungenen Soundtrack und vielen interessanten Upgrademöglichkeiten gefüllt.
Gerade zum Ende hin nimmt das Spiel unheimlich an Fahrt auf und man zittert regelrecht mit der Normandy in einer gewaltigen Raumschlacht mit, während man selbst mit seinem Team gegen den vermeintlichen Oberbösewicht in einem Duell kämpft.
Da Mass Effect der Auftakt einer Trilogie ist, kann ich es kaum erwarten, bis der nächste Teil erscheint.
- Publisher: Microsoft Game Studios
- Developer: BioWare
- Platform: Xbox 360
- Genre: Scifi Rollenspiel
- Editor rating:

- Release date: 2007-11-21



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